Nymphenfischen mit Mirjana Pavlic

Erfolgreich Nymphenfischen

Mirjanas Tipps & Taktiken

Warum ich das Nymphenfischen so liebe? Für mich bedeutet diese Form des Fliegenfischens vor allem "Fischen mit ganz viel Gefühl"! Egal, wie klar das Gewässer ist – vieles unter der Wasseroberfläche bleibt Dir verborgen. Aber mit genauer Beobachtungsgabe, sensibler und konzentrierter Führung der Nymphe und wachsender Erfahrung wirst Du immer besser erspüren, wie und worauf Dein Zielfisch reagiert. Dann bist Du auf dem besten Weg, ein richtig guter Nymphenfischer zu werden. Aber der Reihe nach ...

Was sind eigentlich Nymphen?

Rein biologisch handelt es sich um das letzte Entwicklungsstadium von Insektenlarven, bevor sie sich verpuppen. Beim Fliegenfischen fassen wir darunter der Einfachheit halber fast alle Krabbeltiere zusammen, die unter Wasser leben und auf dem Speisezettel der Fische stehen: die Larven von Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen, Libellen und Mücken sowie Flohkrebse.

Auch wenn die heranwachsenden Insekten versuchen, sich die meiste Zeit vor ihren Fressfeinden am Gewässergrund oder in Pflanzen zu verstecken, gelingt dies nicht immer. Regelmäßig werden einige von der Strömung fortgerissen, schwimmen oder treiben auf dem Weg zum Schlupf schutzlos durchs Wasser: Und genau darauf warten Forelle & Co. schon gierig!

Bachflohkrebse im Fluss
Hier saß zum Beispiel ein Ast, an dem meine Nymphe sich verfing, voller Flohkrebse.

Wichtiger Tipp, bevor Du Deinen ersten Wurf an einem fremden Gewässer machst: Versuche herauszufinden, welche Insekten dort vorkommen. Drehe Steine um oder suche an versunkenen Ästen nach Larven. So bekommst Du eine erste Idee, welche Nymphenmuster Du einsetzen solltest.

Nymphen zum Fliegenfischen
Passe die Größe Deiner Nymphe am besten den in Deinem Gewässer vorkommenden Insektenlarven an.

Es ist sinnvoll, verschiedene Nymphenmuster in der Box zu haben, um auf die Situation am Gewässer reagieren zu können. Viele Nymphen sind bereits beschwert – zum Beispiel mit einer kleinen Messing- oder Tungstenperle. Manche jedoch (wie die Flohkrebs-Imitationen im Deckel) kommen ohne zusätzliches Gewicht daher. Eine große Auswahl fängiger Muster findest Du hier.

Welche Rute zum Nymphenfischen?

Hier gilt die einfache Regel: Je größer das Gewässer, desto länger die Rute. An einem kleinen Bach wähle ich meistens eine kurze Fliegenrute zwischen 6,6 und 8 Fuß. Wenn an kleineren Gewässern aber genügend Freiraum zum Werfen vorhanden ist, dann greife ich auch gerne zu einer längeren Version, da sie die Schnurkontrolle erleichtert. Am größeren Fluss fische ich eher Ruten zwischen 8,6 und 9 Fuß. Zum Nymphenfischen kommen bei mir Fliegenruten zwischen Klasse #3 und #5 zum Einsatz.

Welche Fliegenschnur zum Nymphenfischen?

Eine schwimmende WF-Schnur in der zur Rute passenden Klasse ist mein Favorit fürs Fischen mit der Nymphe. Wenn Du an kleineren Gewässern regelmäßig wenig Schnur außerhalb des Spitzenrings hast (z.B. nur 5 Meter plus Vorfach), dann kannst Du auch eine Schnurklasse höher als für die Rute vorgesehen einsetzen. Vorteil: Das kurze und nun schwerere Schnurstück lädt die Rute besser auf und ermöglicht effektiveres Werfen.

Welches Vorfach zum Nymphenfischen?

Ich bevorzuge konisch gezogene Vorfächer, da diese eine optimale Kraftübertragung von der Schnur aufs Vorfach und damit auf die Nymphe ermöglichen. Natürlich kannst Du Dir Dein Nymphenvorfach auch aus verschiedenen zum Ende hin dünner werdenden Durchmessern selbst knüpfen. Aber zu viele Knoten bedeuten wiederum viele Schwachstellen – deswegen findest Du bei mir vor allem die durchgehenden Vorfächer an der Fliegenschnur.

Wenn es zum Verlängern des Vorfachs notwendig ist oder die eigentliche Vorfachspitze durch Fliegenwechsel verbraucht wurde, knüpfe ich vorzugsweise mittels Chirurgenknoten oder Blutknoten (alternativ mit Pitzenbauerring) an das getaperte Vorfach die Spitze neu an. Die Länge des Vorfachs hängt wiederum vom Gewässer ab: kurzes Vorfach an kleinen, flachen Gewässern und langes Vorfach für größere oder tiefere Gewässer. Als Faustregel kannst Du rechnen, dass Dein Vorfach etwa anderthalb mal so lang sein sollte, wie das Gewässer tief ist.

Allerdings benutze ich auch an flachen Gewässern Vorfachlängen von mindestens 7,5 Fuß, um die Scheuchwirkung der Fliegenschnur zu minimieren. Bei flachen und zusätzlich sehr ruhigen Gewässern wähle ich die Vorfachlänge sogar deutlich länger, da gerade in derart ruhigen Gewässern (glatte Wasseroberfläche, z.B. Kreidefluss) die Scheuchwirkung der Fliegenschnur nicht zu unterschätzen ist. Hier würde ich dann 10 oder 12 Fuß bevorzugen. Du siehst also, es gibt zwar eine Grundregel, von der Du aber situationsbedingt abweichen musst, um erfolgreich zu sein.  

Am liebsten werfe ich beim Nymphenfischen stromauf oder querab. Stromab fische ich nur, wenn ich meine Position nicht so verändern kann, dass ich den Fisch von der Seite oder von hinten anwerfen kann.

Das Anwerfen von einer Position unterhalb des Fischstandplatzes ist weit effektiver als das Befischen von einer stromauf befindlichen Position: Der gegen die Strömung stehende Fisch hat nach vorne und oben gerichtet seinen größten Sichtbereich, weswegen er Dich von stromauf kommend viel schneller wahrnehmen würde.

Zudem würdest Du stromauf stehend im Wasser unweigerlich Sediment aufwirbeln, wodurch die Fische vorgewarnt oder sogar verscheucht werden.

Extrem wichtig beim Fischen: Du musst ununterbrochen Kontakt zu Deiner Nymphe halten und hochkonzentriert sein. Die auf Dich zu treibende, lose Schnur nimmst Du währenddessen laufend auf.

Als Bissanzeiger reicht mir die Fliegenschnur-Spitze vollkommen aus: Sobald die Spitze stehenbleibt – anschlagen! Klar können auch mal Grundkontakt oder ein Hänger die Ursache sein, aber ebenso ein Fisch. Mein Rat: Wenn Du ein guter Nymphenfischer werden willst, verzichte auf zusätzliche Sichthilfen oder Bissanzeiger. 

Eine große Bitte: Versuche vor allem im Sommer bei warmen Wassertemperaturen die Drillzeit der Fische nicht unnötig zu verlängern. Mit etwas Geschick und Erfahrung kannst Du auch große Forellen an den heutzutage erhältlichen dünnen Hochleistungsvorfächern sicher und zügig landen.

Nymphenfischen in tiefem, strömungsreichem Wasser

Falls das Wasser sehr schnell strömt oder sehr tief ist, greifen die meisten Fliegenfischer einfach zu schweren Nymphen. Funktioniert auch, aber solche Schwergewichte verlieren unweigerlich ihr natürliches Spiel beim Treiben über Grund. Vorsichtigere Fische fallen oft gar nicht erst darauf rein!

Nymphenfischen Montage
Bitte vorher informieren: Zusätzliche Gewichte auf dem Vorfach sind nicht an allen Gewässern erlaubt!

Eine Verlagerung des nötigen Gewichts auf das Vorfach schafft hier Abhilfe: Ich bringe ein kleines Klemmschrot oder Knetgewicht (z.B. mit Tungsten-Staub) rund 20 Zentimeter vom Haken entfernt an. Der natürliche Lauf der Nymphe auf oder über dem Gewässergrund wird so nicht beeinträchtigt.

Die hier gezeigte Montage mit zwei Anklemmgewichten ist allerdings mein Favorit für solche Einsatzbereiche: Das größere Gewicht sitzt rund 75 bis 80 cm vor dem Haken und bringt die Nymphe auf Tiefe. Das kleinere befestige ich etwa 25 bis 30 cm vor der Nymphe, damit sie nicht wieder hoch treibt, sondern grundnah läuft – eben dort, wo die Fische ihre Nahrung erwarten.

Anbiete-Techniken beim Nymphenfischen

Je nach Gewässerbeschaffenheit eröffnen sich Dir unterschiedliche Möglichkeiten, den Fischen Deine Nymphe zu präsentieren. Für mich persönlich ist Fliegenfischen fast untrennbar mit der Eleganz des Werfens verbunden. Deswegen setze ich nur äußerst selten die Methode des Czech Nymphing ein, bei der meistens unterhalb der Rutenspitze und nur auf Vorfachlänge gefischt wird.

1. Nymphenfischen stromauf

Kommen wir gleich zu meiner Lieblingsmethode: Wann immer es die Situation am Wasser zulässt, werfe ich die Fische mit der Nymphe möglichst direkt von hinten an.

Fast unerlässlich ist es bei dieser Technik, ins Wasser zu waten, um in die ideale Wurfposition zu kommen. Die nach dem Aufkommen auf die Wasseroberfläche (1) auf mich zu treibende Schnur (2 und 3) verkürze ich dabei durch Einstrippen und nehme sie mit der Hand auf.

Großer Vorteil der "Stromauf-Methode": Die Strömung greift Dir nicht quer in die Schnur und erschwert das Kontakt halten zur Nymphe. Du wirst Staunen, wie schnell Du mit dieser Methode zum Erfolg kommst!

2. Nymphenfischen schräg stromauf

Vor allem, wenn Du Fisch am gegenüberliegenden Ufer anwerfen willst, ist diese Methode ideal: Du wirfst Deine Nymphe schräg stromauf in die gewünschte Driftbahn.

Wenn die Schnur beim Abtreiben ungefähr auf deiner Höhe (6) angekommen ist, mendest Du gegen die Strömung, um den Druck aus der Schnur zu nehmen. Wichtig: Die Schnurspitze muss nach dem Menden immer noch stromauf (in Verlängerung des Vorfachs) zeigen, da sie ja als Bissanzeiger dient. Bei weiterer Verlängerung der Drift stromab (8) fütterst Du dann weiter Schnur nach, da die Nymphe sonst von der Strömung weggezogen wird.

Hier siehst Du noch einmal, wie die Nymphe auf ihrer Driftbahn bereits an mir vorbeigetrieben ist. Um ihr einen ungehinderten Lauf zu ermöglichen, musst Du nun stetig Schnur nachfüttern und menden.

3. Nymphenfischen stromab

Diese Variante praktiziere ich nur, wenn die Bedingungen keine andere Anbietetechnik zulassen oder wenn gerade Köcherfliegen schlüpfen.

Beim Köcherfliegenschlupf steigen die bereits fertig entwickelten Fliegen (in diesem Stadium Caddis Pupa genannt) bis an die Wasseroberfläche auf, schwimmen von dort ans Ufer, trocknen ihre Flügel und heben zu ihrem ersten Flug ab. Für diese kurze Phase eignet sich das Nymphenfischen stromabwärts hervorragend, weil eben jenes Aufsteige-Verhalten der Köcherfliegen durch die zum Ufer herumschwingende Nymphe perfekt imitiert wird.

Nach dem Auswerfen schräg stromab fütterst Du Schnur nach und mendest mehrere Male (2) gegen die Strömung. Wenn die Nymphe in den fischverdächtigen Bereich treibt, hältst Du die Schnur fest (5 - 9). Die Nymphe steigt nun auf und wird in Richtung Deines Ufers gedrückt. Wenn die Schnur ganz herumgeschwungen ist, strippst Du sie wieder ein (10) – auch jetzt kannst Du noch mit Bissen rechnen!

4. Nymphenfischen auf Sicht im Nahbereich

Nein, eine eigene Technik ist dies eigentlich nicht, da die Präsentation der Nymphe sowohl stromauf, querab als auch stromab erfolgen kann. Aber an diese Variante des Fliegenfischens habe ich definitiv mein Herz verloren: Du suchst einen Fisch, beobachtest sein Verhalten und weißt genau, dass Du nur wenige Chancen hast, ihn zu überlisten – das ist Adrenalin pur!

Egal ob der Fisch oberhalb (1), ungefähr auf Deiner Höhe (2) oder unterhalb Deines Standplatzes (3) steht: Mit einem kurzen Wurf platzierst Du Deine Fliege in der Driftbahn weit genug oberhalb des Fisches, sodass die Nymphe noch bevor sie an seinem Standplatz ankommt, Grundnähe erreicht und somit maulgerecht präsentiert wird.

Und jetzt wird's spannend! Wenn sich der Fisch zum Biss entscheidet, kannst Du dies bei Forellen meist gut durch das Öffnen des innen weißen Mauls erkennen. Unbedingt erforderlich, um sowohl die Fische auszumachen als auch die Bisse zu erkennen, ist eine gute Polbrille, die zur Grundausstattung eines jeden Fliegenfischers gehören sollte.

Äschen haben allerdings ein kleineres Maul, was diese Art der Bisserkennung deutlich erschwert. Achte bei den grauen Grazien deswegen auf andere Signale wie ein kurzes Zuschwimmen, seitliches Ausscheren oder ein kurzes seitliches Abkippen des Körpers. Mit einer kurzen Verzögerung solltest Du bei jeder der hier beschriebenen Bewegungen den Anhieb setzen!

Gibt es etwas Schöneres? Du siehst die Forelle, wie sie schemenhaft im kristallklaren Wasser fast mit ihrer Umgebung verschmilzt. Du bist völlig fokussiert auf diesen einen Fisch. Du verfolgst seine Bewegungen, erahnst seinen Rhytmus beim fast beiläufig wirkenden Aufnehmen der abtreibenden Nymphen. Bedächtig platzierst Du Deinen Wurf, die Drift läuft perfekt, ein kurzer Anhieb im richtigen Moment und Deine Rute verneigt sich ...!

Willkommen in der herrlichen Welt des Nymphenfischens!


Fotos: Flyfishing Europe (21), Holger Bente (8) / Illustrationen: Bastian Gierth

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