Sprungschicht ermitteln

Finde die Sprungschicht...

...und Du findest die Fische!

Oft hört man am See die Frage „Wie hoch ist die Wassertemperatur?" oder „In welcher Tiefe hast Du den Fisch gefangen?" Nie hört man hingegen: „Wo liegt denn gerade die Sprungschicht?" Dabei wäre diese Frage von entscheidender Bedeutung. Denn die Lage der Sprungschicht kann uns einen wichtigen Hinweis geben, wenn es darum geht, die Fische zu finden. Die Flossenträger suchen sich in ihrem Gewässer stets die optimalen Lebensbedingungen. Dort, wo ihre bevorzugte Wassertemperatur herrscht, genug Sauerstoff vorhanden ist und sich viel Futter sammelt, werden sie sich hauptsächlich aufhalten. Im Umkehrschluss heißt das: Gewässerbereiche, die eher schlechte Lebensbedingungen bieten, werden von den Fischen kaum aufgesucht. Und dort angelst Du dann natürlich meistens vergeblich! Den ausschlaggebenden Anhaltspunkt für die Bestimmung der guten und schlechten Bereiche liefert uns die Sprungschicht. Wenn Du sie findest und zu deuten weißt, kann sie Dich direkt zum Fisch führen – ganz egal, ob Du es auf Karpfen, Zander, Hechte oder andere Flossenträger abgesehen hast. In diesem Artikel erfährst Du das Wichtigste zur Bedeutung der Sprungschicht beim Angeln.

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Entstehung der Sprungschicht

Bevor wir uns die Rolle der Sprungschicht beim Angeln genauer anschauen, gibt's kurz ein bisschen Gewässerkunde. Die tieferen Seen in unseren Breiten werden nur zweimal im Jahr komplett umgewälzt. Diese Phasen heißen Frühjahrs- und Herbstzirkulation. Um das Ganze zu verstehen, muss man wissen, dass Wasser bei einer Temperatur von 4 Grad die höchste Dichte aufweist – also am schwersten ist. Im Herbst kühlt das Wasser an der Oberfläche auf die genannten 4 Grad ab und sinkt nach unten. Im Frühling erwärmt sich das Oberflächenwasser auf 4 Grad und sinkt ebenfalls ab. In beiden Fällen kommt es zu einer Durchmischung des gesamten Wasserkörpers.

Sprungschicht: Bedeutung beim Angeln

Im Frühjahr – nach der Zirkulation – erwärmt sich das Wasser weiter und bildet eine stabile Oberflächenschicht (wissenschaftlich: Epilimnion). Diese wird im Laufe des Sommers zunehmend dicker. Darunter entsteht die Sprungschicht (Metalimnion) und trennt das warme Oberflächenwasser von der kalten Tiefenschicht (Hypolimnion) – und zwar so wirkungsvoll, dass eine Durchmischung zwischen der Oberflächen- und Tiefenschicht nicht mehr stattfindet. Dadurch wird auch der Sauerstofftransport in die tieferen Regionen unterbunden. Im Verlauf des Sommers nimmt der Sauerstoffgehalt so in der Tiefenschicht immer weiter ab. In der Regel ist also der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht trotz geringerer Wassertemperaturen niedriger als in der Oberflächenschicht. Ausnahme: sehr tiefe, nährstoffarme Gewässer wie zum Beispiel Alpenseen.

Sprungschicht Sauerstoff

Als Beispiel schauen wir uns mal diese typische Messung aus dem Frühsommer an: Deutlich ist zu erkennen, dass die Wassertemperatur in der Sprungschicht rasant abnimmt. Innerhalb von nur zwei Tiefenmetern sinkt sie hier von 13,5 auf 9 Grad. Als wechselwarme Tiere werden sich Fische diesem Temperatursprung nur in Ausnahmefällen aussetzen. Auch der Sauerstoffgehalt sinkt innerhalb der Sprungschicht – in diesem Fall sogar extrem von 11 auf 5 Milligramm pro Liter (mg/l). Karpfen zum Beispiel bevorzugen einen Sauerstoffgehalt, der über 6 mg/l liegt. Sie werden sich also kaum länger als nötig unterhalb der Sprungschicht aufhalten.

Sprungschicht Karpfen

Die Sprungschicht bildet sich grundsätzlich nur in stehenden Gewässern aus – niemals in Flüssen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Sehr flache Seen werden durch Wind oft das ganze Jahr hindurch umgewälzt. Manchmal bildet sich die Oberflächenschicht auch einfach bis zum Grund aus. Dann gibt es zu Beginn des Sommers noch eine Sprungschicht, die dann aber verschwindet.

Entwicklung der Sprungschicht im Frühling

Die Schichtung des Wassers verändert sich im Laufe des Jahres. Im zeitigen Frühjahr ist die Oberflächenschicht gerade mal zwei bis drei Meter dick. Sowohl die Fische als auch ihre Beutetiere werden sich daher hauptsächlich im flachen Uferbereich oder zumindest in der oberen Wasserschicht aufhalten.

Die Sprungschicht im Sommer

Mit zunehmender Erwärmung wird die Oberflächenschicht dicker und die Sprungschicht verlagert sich nach unten. Der Temperaturunterschied zwischen Oberfläche und Tiefenschicht nimmt zu und der Sauerstoffgehalt unterhalb der Sprungschicht sinkt stetig weiter. Neben den flachen Uferbereichen werden zum Angeln nun aber auch die etwas tieferen Regionen wieder interessant, da diese schon wieder oberhalb der Sprungschicht liegen.

Die Sprungschicht im Herbst

Im Herbst ist die Oberflächenschicht auf viele Meter angewachsen. In diesem Beispiel durchbricht das Plateau (Erhebung unter Wasser) jetzt die Sprungschicht und wird zu einem echten Hotspot. Unterhalb der Sprungschicht hat der Sauerstoffgehalt in diesem See lebensfeindliche Werte erreicht.

Sprungschicht Karpfen

Was bedeuten diese Zusammenhänge aber nun für uns als Angler? Ganz einfach: Fischt im Frühling flach und zum Herbst hin immer tiefer. Ach, das wusstet Ihr schon? Dann mal anders ausgedrückt: Passt auf, das Ihr nicht versehentlich unterhalb der Sprungschicht angelt, denn dort ist in der Regel nicht viel zu holen.

Sprungschicht Hechtangeln

Für Raubfischangler ist noch ein weiterer Aspekt spannend: Auf der Sprungschicht kommt es durch die zunehmende Wasserdichte zu einem Stau des abgestorbenen, absinkenden Planktons. Kleinfische lassen sich diesen reich gedeckten Tisch nicht entgehen und sammeln sich hier. Und wo die Beute ist, da warten auch die Räuber. Unter Wasser erscheint die Sprungschicht aufgrund veränderter Lichtbrechung übrigens verschwommen. Hechte nutzen das gerne zu ihrem Vorteil und „verstecken" sich innerhalb der Sprungschicht, um ihrer Beute aufzulauern. Ein Köder, der knapp oberhalb der Sprungschicht angeboten wird, ist also immer einen Versuch wert!

Sprungschicht finden mit dem Echolot

Die Sprungschicht ist in vielen Gewässern mit einem guten Echolot leicht zu finden. Hier wird sie als hellblauer Streifen angezeigt, der bei etwa sechs Metern Tiefe beginnt. Damit die Sprungschicht deutlich zu sehen ist, musst Du manchmal die Sensibilität des Echolotes etwas hochdrehen. Trotzdem ist die Abbildung nicht immer so deutlich wie auf diesem Foto.

Sprungschicht messen

Du hast weder Boot noch Echolot, möchtest aber trotzdem die Sprungschicht finden? Kein Problem mit diesem speziellen Thermometer für Angler. Das Fish Hawk GTM von Anaconda (im Fachhandel über die Firma Sänger erhältlich) ermittelt beim Absinken in Meterschritten die Temperatur von der Wasseroberfläche bis zum Grund und speichert diese ab. So kannst Du die Tiefe der Sprungschicht anhand der Temperaturentwicklung bestimmen. Das Gerät kann mit der Rute ausgeworfen und so auch vom Ufer aus eingesetzt werden.


Fotos: Michael Lechelt (2), Tobias Norff (2) / Illustration: Bastian Gierth

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