Steinbeißer angeln

Vorsicht, bissig!

Gezielt auf Steinbeißer angeln in Norwegen und Island

Nein, als Schönheit im klassischen Sinne gilt der Gestreifte Seewolf sicher nicht. Und auch an der Angel bietet der eher gemütliche Grundbewohner keinen großen Sport. Trotzdem ist der häufig als Steinbeißer bezeichnete Meeresfisch extrem beliebt bei vielen Norwegen- und Island-Reisenden. Vielleicht liegt's am urigen Aussehen: Mit seinem dicken Schädel und dem schiefen Gebiss schindet der Steinbeißer echt Eindruck! Und beeindrucken wird er Euch sebst nach seinem Ableben noch – nämlich auf dem Teller! Das feste Fleisch des Seewolfs gilt zurecht als Delikatesse und wird an der Fischtheke teuer gehandelt. Wie Ihr dem bösen, aber schmackhaften Wolf beim Angeln in Norwegen oder Island auf den Zahn fühlt, verrate ich Euch in diesem Artikel.

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Steinbeißer auf Gummifisch
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Steinbeißer kommen auch im Kattegat und Skagerak vor: zum Beispiel vor Dänemark auf dem Gelben Riff und vor Schweden auf dem Fladengrund.

Der Seewolf mag es kühl! In Norwegen werden die Fangaussichten immer besser, je weiter Du gen Norden kommst. Die besten Reviere liegen nördlich des Polarkreises. Doch auch in Süd- und Westnorwegen kannst Du Steinbeißer angeln. Dort sind die Bestände aber in der Regel kleiner und es kommt sehr darauf an, die richtigen Plätze zu finden. Wer Seewölfe satt fangen möchte, sollte Islands Westfjorden einen Besuch abstatten.

Steinbeißer
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Der Seewolf bevorzugt ganz klar Bereiche mit felsigem Untergrund. Hier findet er seine Hauptnahrung: Muscheln, Krebse und Seeigel.

Auf Steinbeißer stehen die Chancen im Frühling besonders gut. Zwischen März und Ende Mai findest Du die Wölfe oft in größeren Gruppen in recht flachen Gebieten mit Wassertiefen zwischen 15 und 30 Metern. Hier fressen sie sich nach dem winterlichen Laichgeschäft so richtig satt. Wird das Wasser wärmer, verteilen sich die Steinbeißer und ziehen in tiefere, kühlere Gefilde. Sie beißen jetzt auch noch, sind aber deutlich schwieriger zu finden.

Steinbeißer satt in Norwegen

Bist Du zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, bleibt es nicht bei einem einzelnen Steinbeißer. Übrigens: Seewölfe haben kein Problem mit dem Drucksausgleich, wenn Du sie an die Oberfläche holst. Daher lassen sie sich auch sinnvoll zurücksetzen.

Rute zum Steinbeißer angeln

Ein wirklich beeindruckender Wolf! Doch selbst Steinbeißer dieser Kategorie sind keine großen Kämpfer. Dein Gerät kannst Du – natürlich unter Berücksichtigung der Angeltiefe und Strömung – relativ leicht wählen. In der Regel genügt eine normale Bootsrute mit 20 lbs Testkurve oder 200 bis 300 Gramm Wurfgewicht vollkommen aus.

Angeln auf Seewolf

Wirklich schwierig zu fangen ist der Seewolf nicht. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Fischarten in Norwegen und Island ist er ein reiner Grundbewohner. Bietest Du Deinen Köder nicht direkt im „Wohnzimmer" der Wölfe an, wirst Du keine Bisse bekommen. Hier war allerdings ein kleiner Lumb schneller. Dieser ebenfalls am Grund lebende Fisch kommt ab einer gewissen Tiefe häufig als Beifang beim Steinbeißerangeln vor.

Fischfetzen am Pilker
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Damit der Haken im knochigen Maul des Steinbeißers fasst, ist ein harter Anhieb gefragt.

Geht es gezielt auf Steinbeißer, ist Naturköderangeln angesagt. Zwar schnappen die Wölfe auch nach Kunstködern, aber in der Regel bringt etwas „Echtes" am Haken eher den gewünschten Erfolg. Bewährt hat sich auch eine Kombination aus beidem: ein mit Fischfetzen garnierter Pilker oder Gummifisch. Wichtig ist, dass Du den Köder langsam und nur mit kleinen Hüpfern über Grund führst. Der Steinbeißer ist kein Sprinter...

Steinbeißer Montagen
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Steinbeißer haben ein relativ kleines Maul. Die Haken sollten daher nicht zu groß ausfallen: Größen von 2/0 bis 6/0 passen in der Regel gut.

Beim grundnahen Fischen findet so ein Pilker mit Drilling schnell sein nasses Grab oder hakt zumindest häufig Tang und Seesterne. Deshalb bevorzuge ich zum Pilken auf Steinbeißer diese Montagen mit Einzelhaken. Bei der Köderführung hat es sich bewährt, den Pilker einige Male schnell hintereinander auf die Felsen poltern zu lassen und ihn dann anschließend für eine knappe Minute ganz knapp über Grund zu halten. Das lautstarke Aufschlagen auf Stein scheint die Aufmerksamkeit der Wölfe zu erregen. Der duftende Naturköder erledigt dann den Rest.

Bewährte Steinbeißer-Montage
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Der Steinbeißer hat zwar gewaltige Zähne, aber die sind nicht scharf. Du brauchst weder ein Stahlvorfach noch ein extrem dickes Vorfach. Eine gute 0,60er bis 0,80er Mono genügt.

Ich bevorzuge die Pilkmontage mit Nachläufer. Dadurch, dass der Haken hier über ein rund 30 Zentimeter langes Stück Schnur mit dem Pilker verbunden ist, bekommt der Steinbeißer etwas mehr Spielraum bei der Köderaufnahme und beißt nicht gleich auf Metall.

Naturködermontage Norwegen
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Auch bei diesen Montagen solltest Du das Blei zwischendurch immer wieder lautstark auf die Felsen schlagen lassen.

Klassische Naturködermontagen mit zwei Haken (links) sind natürlich ebenfalls geeignet zum Fang von Seewölfen. Sehr gerne fische ich außerdem mit dem sogenannten Heilbutt-Jigger (rechts). Der ist zwar für die großen Plattfische entwickelt worden, funktioniert aber mit einem kleineren Haken auch perfekt auf Steinbeißer. Vorteil: In Kombination mit einem schlanken Blei produziert der Jigger dank des stark auftreibenden Körpers kaum Hänger – perfekt für die meist extrem felsigen Steinbeißer-Plätze.

Angeln auf Steinbeißer in Norwegen

Und wieder einer auf den Jigger! Beim Lösen der Haken ist übrigens Vorsicht geboten: Seewölfe haben eine enorme Beißkraft und knacken nicht nur spielend Muscheln, sondern auch Deine Finger. Also immer (!) eine Zange verwenden, auch wenn der Fisch bereits abgeschlagen ist. Ein kurzes Nervenflackern kann genügen – und schon schnappen die Kiefer noch einmal zu.

Köder zum Angeln in Norwegen

Am gebräuchlichsten sind auch beim Steinbeißerangeln Fischfetzen als Köder. Einige Tipps zu deren Anköderung findest Du in diesem Artikel. Allerdings gibt es da noch einen Happen, den die Wölfe noch viel lieber mögen...

Muscheln anködern
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Du kannst Fisch und Muscheln auch mischen. Besonders bewährt hat sich ein Mix aus Muscheln und Dorschleber. Probier's mal aus und lass Dich überraschen!

Muscheln frisst der Steinbeißer einfach am liebsten! Das weiche Fleisch lässt sich jedoch nur schwer anködern. Einige Seewolf-Spezis machen sich daher die Mühe und füllen zerstoßene Miesmuscheln in Schlauchverbände, Strumpfhosen oder Knoblauchnetze. Doch die Arbeit lohnt sich, denn auf diese Köder fahren die Wölfe richtig ab!

Muscheln als Köder

Die Muschelwurst wird zu mundgerechten Happen abgebunden und abgeschnitten. Die Köderpäckchen halten dank des Netzes prima am Haken. Ich wünsche Dir auf Deinem nächsten Trip nach Norwegen oder Island viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren meiner Tipps. Und ganz wichtig: Lass Dich nicht beißen!


Fotos: David Nielsen (6), Holger Bente (4), DinTur (1), Milan Kuminowski / Shutterstock (1), Tobias Norff (1) / Illustration: Bastian Gierth

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