Wie Sterne am Nachthimmel glimmen die beiden leuchtenden Punkte auf der nachtschwarzen Wasseroberfläche – bis einer plötzlich zur Seite wandert und wenig später erlischt. Ich springe von meinem Stuhl auf und greife zur Rute. Langsam läuft die Schnur von der geöffneten Rolle. Ich warte noch einen Augenblick und schlage an. Der Widerstand am anderen Ende der Leine lässt keinen Zweifel: Ein guter Zander hat sich den Köderfisch schmecken lassen. Ich liebe das Fischen mit der Pose – vor allem in der Nacht! Wann immer es die Bedingungen zulassen, setze ich beim Zanderangeln mit Köderfisch auf die Pose. Nicht nur, weil ich den Anblick eines Knicklichtes mag, das unter Wasser verschwindet, sondern vor allem, weil die Posenmontage eine extrem feine Bissanzeige ermöglicht. Ein schlanker, gut austarierter Schwimmer bietet dem Zander keinen nennenswerten Widerstand, wenn er mit seiner Beute im Maul los schwimmt – und das ist gerade beim Angeln in stehenden Gewässern enorm wichtig! Doch auch am Fluss bietet die Pose einige Vorteile, die Dich Deinem Zander ein gutes Stück näher bringen können. Was Du zu Einsatzmöglichkeiten, Anköderungsvarianten und Montagen wissen musst, findest Du in diesem Artikel.
In kleinen Vereinsseen, die oft nicht ausreichend Raum zum Spinnfischen bieten oder zu verkrautet sind, ist das Posenangeln oft die beste Methode, um Zander zu fangen – und spannend allemal! Aber grundsätzlich kannst Du natürlich auch an allen anderen Gewässern mit der Pose erfolgreich sein.
Eine ganz normale Posenmontage, wie Du sie zum Beispiel vom Friedfisch- oder Aalangeln kennst, erledigt auch auf Zander zuverlässig ihren Job. Überwiegend kommen Laufposen zum Einsatz, da sich diese problemlos in tieferem Wasser einsetzen lassen.
Wähle die Pose stets so fein wie möglich, damit der Zander beim Biss keinen Widerstand spürt. Schlanke Modelle mit Knicklichtaufnahme und einer Tragkraft zwischen etwa 3 und 6 Gramm passen in der Regel gut.
Spezielle Posenruten für Zander gibt es kaum auf dem Markt. Du findest aber hervorragende Modelle in der Friedfischabteilung. Meistens sind das englische Ruten, die für Barben, Schleien und kleine Karpfen entwickelt wurden. Sie sind zwischen 11 und 12 Fuß (etwa 3,30 bis 3,60 Meter) lang und mit Testkurven von 1,5 bis 2,5 lbs genau richtig für Zander. Zur Not tut es aber auch jede X-beliebige, nicht zu kurze Rute mit etwa 40 oder 50 Gramm Wurfgewicht.
Dazu passt eine 3000er oder 4000er Stationärrolle. Beim Posenfischen ist ausnahmsweise monofile Schnur im Vorteil, da diese sinkt und sich nach dem Auswerfen unter Wasser drücken lässt. So verhinderst Du das lästige Abtreiben der Pose oder schränkst es wenigstens stark ein. Eine gute 0,22er bis 0,25er Mono genügt vollkommen.
Wo keine Hechtgefahr besteht, wähle ich als Vorfach monofile Schnur (links) in ähnlichem Durchmesser oder ein abriebfestes Geflecht (Mitte). Ist mit Esox zu rechnen, muss Stahl ran. Aber keine Sorge: An einem geschmeidigen, 49fädigen Stahlvorfach stören sich die Zander nicht. Ich nutze unbeschichteten (und somit weicheren) Stahl mit einer Tragkraft zwischen 6 und 8 Kilo.
Die Posenmontage gibt Dir die Möglichkeit, den Köderfisch in natürlicher Schwimmhaltung eine Handbreit über Grund anzubieten (links). Das ist meine bevorzugte Variante. Ich präsentiere den Köderfisch gut sichtbar auf Augenhöhe der Zander und laufe nicht Gefahr, dass der Haken Dreck am Grund einsammelt. Frei unter der Pose hängend erhält der Köderfisch außerdem ein wenig Bewegung durch Wellen oder leichtes Treiben der Montage. Mit aufliegendem Köderfisch (rechts) und verankerter Pose fische ich nur, wenn starker Wind die erste Variante schwierig macht, oder ich ein Abtreiben der Montage unbedingt verhindern möchte.
Bleiben die Bisse in Grundnähe aus, probiere es mit Köderfisch ruhig auch mal im Mittelwasser oder sogar nur einen halben Meter unter der Oberfläche. Gerade in der Nacht zieht es die Zander zum Jagen vermehrt in die oberen Etagen der Wassersäule. Dort lassen sie sich nicht nur mit Wobbler fangen, sondern eben auch mit dem toten Köderfisch.
Verwende am besten frisch getötete Köderfische. Die halten besser am Haken als zuvor eingefrorene und wieder aufgetaute.
Hängend unter der Pose präsentierte Fischchen köderst Du am besten am Rücken an, damit sie eine natürlich Schwimmhaltung einnehmen. Achtung: unbedingt vorher die Schwimmblase durchstechen und die Luft ausdrücken, damit der Köderfisch absinkt!
Du kannst den Haken einfach durch die Schwanzwurzel stechen oder das Fischchen mit der Ködernadel aufziehen.
Soll der Fisch am Grund aufliegen, wähle ich eine Anköderung, bei der die Schnur am Schwanzende austritt und der Haken nach hinten gerichtet ist. Zander schlucken ihre Beute mit dem Kopf voran. Bei der gezeigten Variante erschweren weder Vorfachschnur noch Hakenspitzen die Köderaufnahme.
Beim Zanderangeln haben sich eher kleinere, etwa fingerlange Fische, halbierte Fische und Fischfetzen bewährt. Mit diesen Häppchen macht ein maßiger Zander kurzen Prozess, sodass in der Regel ein Einzelhaken oder (wie hier zu sehen) ein einzelner Drilling völlig genügt.
Überaus wichtig ist in jedem Fall, dass der ausreichend große Haken weit aus dem Köder herausragt und nicht eng am Fisch anliegt oder gar vollständig bedeckt ist. Nur so kann der Greifer beim Anhieb zuverlässig im Maul des Zanders fassen. Für fingerlange Köderfische und Fetzen passen Einzelhaken der Größen 2 bis 2/0 oder Drillinge in Größe 6 bis 4.
Beim Angeln mit Köderfisch stellt sich immer die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Anhieb. Du möchtest den Zander ja sicher haken, gleichzeitig aber einen allzu tiefen Hakensitz verhindern, um den Fisch gegebenenfalls schonend zurücksetzen zu können. Warte beim Posenfischen mit den erwähnten Ködergrößen nicht allzu lange. Zeigt die Pose durch Abtauchen oder zügiges Wegziehen zur Seite einen eindeutigen Biss an, zähle langsam bis zehn und schlage dann kräftig an.
Hier hat alles gepasst: Der Zander ist sicher gehakt und wird in wenigen Sekunden von den Maschen des Keschers umschlossen.
Und da isser: Ein schöner Zander, gefangen in einem kleinen See, an dem das Spinnfischen nicht gestattet ist.
Mit der Pose im Fluss
Die Posenmontage eignet sich nicht nur zum Fischen in stehenden Gewässern. Am Fluss ermöglicht sie Dir sogar eine besonders aktive und effektive Art der Angelei. Lass die Pose einfach mit der Strömung treiben und suche so automatisch viel Wasserfläche nach Zandern ab – ideal für langsam bis mäßig schnell strömende Ecken!
Um Hänger am Grund zu vermeiden, solltest Du die Montage dabei mit Hilfe eines Lotbleis exakt passend zur Wassertiefe einstellen – und zwar so, dass der Köderfisch stets ein kleines Stück über Grund gehalten wird.
Du kannst die Posen zwischendurch immer wieder ein wenig abbremsen. Dann steigt der Köderfisch durch den Strömungsdruck auf und taumelt anschließend verführerisch wieder ab. Da kann bestimmt kein Zander widerstehen!
Für eine möglichst natürliche Präsentation wird der Köderfisch beim Angeln mit treibender Pose am besten durchs Maul angeködert. So bietet er in der Strömung weniger Widerstand und schwimmt außerdem schön mit dem Kopf voran. Als Ködersicherung hat sich ein Stück Gummiband bestens bewährt, das nach der Anköderung des Fischchens einfach auf den Haken gezogen wird.
Ob am kleinen Vereinsteich, Kanal oder Fluss: Posenfischen auf Zander ist nicht nur spannend, sondern häufig auch erfolgreicher als die Angelei mit künstlichen Ködern. Probier's mal aus!
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