Spezialist für Barsch
Hmmm... gar nicht so einfach, diesen Köder in eine Schublade zu stecken. Zu den Wobblern gehört er nicht, er hat ja keine Tauschschaufel. Ein Oberflächenköder ist der Glimmer von Tiemco auch nicht, denn er sinkt. Als Jerkbait mag ich ihn auch nicht bezeichnen. Dafür fehlt ihm die zackige Aktion. Stickbait? Joa, das passt einigermaßen, wobei der schlanke Verführer aus Japan ganz anders eingesetzt wird, als die anderen Mitglieder dieser Köderfamilie. Eigentlich auch egal, denn was wirklich zählt: Der Glimmer fängt und hat seinen Stammplatz in meiner Barsch-Box sicher. Warum, das erfährst Du im Folgenden.
Tiemco glimmer
| Marke: | Tiemco |
| Länge (Gewicht): | ca. 7cm (5,6g) / 6cm (4g) |
| Verhalten: | sinkend |
| Lauftiefe: | variabel / ca. 1-3m |
| Lieblingsfarben: | Wakasagi, Natural Wakasagi |
| Fischart: | Barsch |
| Preis: | ca. 18 € |
| Info: | In Deutschland z.B. bei Lurenatic erhältlich |
WARUM STAMMSPIELER?
Schon mal was von „Mid Strolling” gehört? Diese Technik ist vor allem in Japan unter Schwarzbarschanglern total angesagt. In der Regel kommen dabei schlanke Gummiköder an Jigköpfen zum Einsatz. Diese werden aber nicht klassisch über Grund gejiggt, sondern langsam durchs Mittelwasser geleiert und mit schnell aufeinanderfolgenden, kurzen Zupfern zum Leben erweckt. In diesem Artikel haben wir die spezielle „Zittertechnik” beschrieben. Die Bezeichnung „Mid Strolling” war uns beim Verfassen des Artikels vor einigen Jahren allerdings noch kein Begriff. Wie auch immer: Mit dem Glimmer hat Tiemco den meines Wissens nach ersten Hardbait speziell für diese feine Technik entwickelt. Logisch, dass der in meiner Box nicht fehlen darf!
Aufreizend langsam
Auswerfen, stumpf einkurbeln, fangen: nicht mit dem Glimmer! Dieser Köder muss animiert werden, um seine Fangkraft zu entfalten – und zwar am besten wie beschrieben mit sehr schnell hintereinander ausgeführten kurzen Zupfern. Hilfreich ist hier eine Rute mit schön weicher Spitze, die sich regelrecht in Schwingung versetzen lässt. Aber auch mit einer strafferen Rute lässt sich der Glimmer zum Leben erwecken. Form und Gewichtsverteilung dieses Köders harmonieren perfekt, so dass der Glimmer bei jedem Zupfer auf eine Seite und beim nächsten zur anderen kippt. Diese „Rolling Action” lässt die eingearbeitete Spiegelfolie unter dem transparenten Kunststoff immer wieder herrlich aufblitzen. Der mit glitzernden Fäden garnierte Drilling am Heck sorgt zusätzlich für feine Schwingungen und Reflektionen. Ein großer Vorteil des Glimmers: Er lässt sich extrem langsam und dennoch aufreizend präsentieren – fast auf der Stelle stehend kippelt er über die Längsachse und bleibt lange im Sichtfeld der Barsche. Da der Glimmer sinkt, ist seine Lauftiefe variabel. Theoretisch könntest Du ihn auch auf zehn Meter absinken lassen und ihn dann durch die Wassersäule bis zur Oberfläche „hochzittern”, doch in der Praxis eignet er sich bei beschriebener Führung vor allem für Tiefen zwischen einem und drei Metern. Übrigens: Es existiert auch eine etwas leichtere, noch langsamer sinkende Variante (Glimmer light), die ich jedoch noch nie ausprobiert habe.
Köderkunst aus Japan
Den Glimmer bietet Tiemco in rund 7 und 6 Zentimetern Länge an. Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf die größere Variante, die dank schlanker Form aber auch problemlos von jedem handlangen Barsch inhaliert wird. Aber wer weiß, zur Brutfischzeit mag der kleinere Bruder vielleicht sogar noch besser ins Beuteschema passen. Mit 5,6 Gramm ist der 7-Zentimeter-Glimmer wahrlich kein Schwergewicht. Dennoch lässt er sich sowohl mit Stationär- als auch Baitcaster-Rolle erstaunlich gut werfen. Die clevere Gewichtsverteilung im Körper sorgt für einen pfeilgeraden, stabilen Flug. Der Glimmer ist in jeder Hinsicht ein bis ins Detail durchdachter, hochwertiger Japan-Köder – von Design und Verarbeitung über das Wurf- und Laufverhalten bis zur Ausstattung. Der Doppelhaken wird auf der Oberseite von einem Magnet gehalten und zuverlässig in Position gehalten. Die Platzierung auf dem Rücken des Köders ist natürlich kein Zufall. Du kannst den Glimmer nämlich auch mit Vollkontakt über Grund zittern. Der Rückenhaken wird dabei keinen Dreck am Boden aufsammeln. Der Schwanzdrilling übrigens auch nicht, denn der Glimmer ist so austariert, dass er am Grund schräg mit dem Hinterteil nach oben ragt. Der Schwanzdrilling berührt nicht den Grund. Schau Dir dazu mal dieses japanische YouTube-Video an.
STÄRKEN
perfekte Aktion fürs Mid Strolling
tolles Design
hochwertig verarbeitet und ausgestattet
lässt sich prima werfen
große Modell- und Farbauswahl
variabel einsetzbar
Schwächen
recht hochpreisig
Köderführung braucht etwas Übung
Auswahl in deutschen Online-Shops begrenzt
FAZIT
Der Glimmer ist ganz sicher kein Köder für jeden Tag. Sein Anwendungsgebiet ist schon recht speziell und – da muss man ehrlich sein – manchmal wird er von den Barschen gänzlich ignoriert. Wollen die gestreiften Räuber wild durchs Wasser schießende Köder wie Twitchbaits oder Gummis am Dartjig, liegst Du mit dem Glimmer völlig daneben. Aber hey, kein Köder fängt immer und überall! Oft sind es die schwierigen Tage, an denen der Tiemco Glimmer punkten kann. Wenn die klassischen Köder versagen, lässt sich mit dem schlanken Kollegen häufig doch noch der eine oder andere Barsch rauskitzeln.
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