Die Küsten-Rakete
Abenddämmerung im Juni 2017 an der irischen Küste: Ich solle den am weitesten fliegenden Blinker, den ich in meiner Box habe, einklinken, rät mir unser Guide John Quinlan. Tja, ehrlich gesagt hatte ich nur drei Eisen für unseren Küstenangel-Trip eingepackt − darunter einen Seeker mit 32 Gramm Gewicht. Speziell für Wolfsbarsch greife ich eher zu Gummiködern oder Wobblern. Blinker fristeten bei mir eher ein Nischendasein. Aber nüzzjanix: Dann klinke ich eben das schlanke Blech mit dem dickeren Heck in den Snap und feuere das Teil Richtung Horizont. Resultat: Ich fange an diesem Abend zahlreiche Wolfsbarsche und als Zugabe noch einige Makrelen im sandigen Mündungsbereich eines Flusses. Der Seeker hat ordentlich geliefert! Seit diesem Abend begleiten mich auf meinen Küstentrips mehrere dieser schlanken Metallköder. Wann ich sie einsetze und wo ihre Stärken liegen, erfährst Du im folgenden Bericht.
Savage gear SURF seeker
| Marke: | Savage Gear |
| Längen: | 10 cm, 10,5 cm und 11 cm |
| Gewichte: | 30 g, 35 g und 40 g |
| Lieblingsfarbe: | Green Silver |
| Fischarten: | Wolfsbarsch, Dorsch, Meerforelle, Makrele |
| Preis: | ab 6,- € |
| Info: | Surf Seeker bei Amazon * |
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WARUM STAMMSPIELER?
Vorweg eine kurze Begriffsklärung: Es gibt mittlerweile drei Seeker-Modelle von Savage Gear auf dem Markt: Das ältere Modell heißt Seeker ISP (unten im Foto-Slider beim großen Wolfsbarsch und dem Dorsch zu sehen) und kommt in Gewichten von 12, 16, 23 und 28 Gramm daher. Eine 32-Gramm-Version gab es auch mal, ist aber nicht mehr im Programm. Für Durchlaufblinker-Fans hatte Savage Gear zwischenzeitlich auch eine entsprechende Variante namens LT Seeker ISP auf den Markt gebracht. Diese wird aber anscheinend nicht mehr produziert. Da offensichtlich viele Meeresangler von der Fängigkeit der Seeker begeistert waren, aber ein paar "schwerere Jungs" für raue Bedingungen, größere Wurfweiten und speziell für die Wolfsbarschfischerei verlangt wurden, legte Savage Gear mit dem Surf Seeker nach. Ihn erkennst Du auf den ersten Blick an seinem grell-gelb eingefärbten Hinterteil. Form und Laufverhalten der ISP- und der Surf-Version sind jedoch identisch.
DER HAKEN AN DER SACHE
Sehr praktische Sache beim Seeker: Er wird mit zwei Hakenvarianten geliefert – einem Drilling und einem Einzelhaken. Beide sind absolut hochwertig und bleiben lange scharf. Mir persönlich ist allerdings der Einzelhaken etwas zu dick und zu breit. Ich tausche ihn gerne gegen ein dünndrähtigeres Modell (wie beispielsweise den unten in der Fotogalerie abgebildeten LS-3424F von Gamakatsu) aus. Auf jeden Fall prima: Ein doppelter Sprengring verringert die Gefahr, dass sich ein Fisch während des Drills aushebelt. Was die Farben angeht, orientieren sich die Seeker recht eng an den natürlichen Beutefischen wie Sandaal, Sprotte oder Hering. Ich habe zwar mittlerweile sämtliche Farb-Varianten in meinen Küsten-Boxen, aber fast immer klinke ich das Green-Silver-Modell in den Snap. Dieses kommt optisch den Sandaalen, die ich zu imitieren versuche, am nächsten.
WEITE WÜRFE & WACKELIGER LAUF
Und schon haben wir den ersten Hinweis, wann und wo ich die Seeker bevorzugt einsetze: Beim grundnahen Abfächern größerer Areale mit sandigem Untergrund! Speziell beim Wolfsbarschangeln in Revieren wie der dänischen Nordseeküste oder an Sandstränden in Irland hängt bei mir meistens der Seeker in 35 Gramm am anderen Ende der Schnur. Die Wurfweite ist enorm. Kein Wunder, denn der Seeker hat ein deutlich verdicktes Hinterteil, was ihn wie einen Dartpfeil durch die Luft schießen lässt. Der Lauf des schlanken Verführers ist aber ebenfalls eine Klasse für sich: Beim Einholen wackelt er unregelmäßig hin und her und flankt hektisch. Absolut genial finde ich allerdings sein Verhalten bei Spinnstopps: In der Absinkphase dreht der Seeker sich an gespannter Schnur aufreizend um die eigene Achse und driftet zur Seite. Noch ein Pluspunkt dieses Küstenblinkers: Wenn bei stärkerer Strömung an flachen Spots − zum Beispiel über einem Riff − Gummiköder oder Wobbler kaum noch vernünftig zu führen sind, läuft der Seeker immer noch zuverlässig.
KÜSTEN-ALLZWECKWAFFE
Ich geb's zu: Ich habe tatsächlich auf diesen ursprünglich fürs Meerforellenfischen erdachten Blinker noch keine einzige Forelle gefangen. Das liegt aber schlichtweg daran, dass ich auf Meerforelle fast ausschließlich mit der Fliege fische. Sobald ich aber an der Küste zur Spinnrute greife und Wolfsbarsch oder Dorsch im Visier habe, greife ich vertrauensvoll zum Seeker. Bisher gingen mir neben den beiden genannten Zielfischen auch immer wieder Makrelen, Hornhechte und sogar in Norddänemark ein Maifisch (siehe unten folgende Fotos) an den Haken. Der raketenförmige Metallköder scheint also bei fast allen Meeresräubern perfekt ins Beuteschema passen!
STÄRKEN
hochwertige Sprengringe und Haken
exzellent für weite Würfe auch bei Wind
sehr verführerisches Laufverhalten − auch bei Spin Stops
läuft auch in stärkerer Strömung noch zuverlässig
Schwächen
Lack blättert nach intensiverem Einsatz ab
Einzelhaken etwas überdimensioniert
FAZIT
Irgendwie cool, dass trotz der immensen Auswahl an Softbait-Ködern und japanischen Edelwobblern einfach mal ein Metallköder richtig punkten kann. Fürs Fischen in größerer Entfernung hart am hindernisfreien Meeresgrund kann ich mir aktuell aber auch keinen besseren Stammspieler vorstellen.
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