Die Hechtmaschine ist zurück
Zugegeben: Ich bin nicht der Hardcore-Hechtangler, der jede Saison nach den neuesten Modellen und Farben Ausschau hält, um die umfangreiche Kunstködersammlung mal wieder einem Update zu unterziehen. Ich bin einfach happy, wenn ich eine überschaubare Anzahl an passenden Ködern in der Box habe, die verlässlich ihren Job machen und fangen − am besten über Jahre! An solchen Ködern hänge ich einfach. Blöderweise fallen tolle Produkte allzu oft der Schnelllebigkeit des Kunstködermarktes zum Opfer. Aber manchmal kommen sie tatsächlich wieder − wie der geniale 4-Play Swim N Jerk von Savage Gear!
4 Play CLASSIC Swim N Jerk
| Marke: | Savage Gear |
| Längen: | 13 cm, 19 cm, 25 cm |
| Gewichte: | 21 g, 52 g, 107 g |
| Verhalten: | langsam sinkend |
| Lauftiefe: | bis ca. 1 Meter |
| Lieblingsfarben: | Firetiger, Pike, Burbot (nur beim alten 4 Play) |
| Fischarten: | Hecht |
| Preis: | von ca. 15 € (13 cm-Version) bis ca. 25,- € (25 cm-Version) |
| Info: | Savage Gear 4 Play Classic Swim N Jerk finden bei Amazon* |
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WARUM STAMMSPIELER?
Räumen wir erst mal mit den Begrifflichkeiten auf: Vom Savage Gear 4 Play gibt es drei unterschiedliche Modelle: den Lowrider, ein Wobbler mit etwas größerer und flach gestellter Tauchschaufel, den Liplure, ein Swimbait mit kleiner, steil stehender Tauchschaufel und eben den Swim N Jerk, der ganz ohne Tauchhilfe daher kommt. Die Markteinführung des 4 Play ist nun locker 20 Jahre (!) her. Zwischendurch hatte eine neue Version, der 4 Play V2, die Nachfolge dieses erfolgreichen Köders angetreten. Seit kurzem allerdings wurde der "alte" 4 Play als "4 Play Classic" neu aufgelegt – angeblich auf vielfachen Kundenwunsch und anlässlich des 20-jährigen Jubiläums. Bei den Unterschreibern dieser Wunschliste hätte ich mich sofort eingereiht, denn mit dem V2 konnte ich mich nie recht anfreunden: Die Wurfeigenschaften waren deutlich schlechter als beim Ursprungsmodell und der Lauf meines Erachtens nicht so satt und harmonisch. Aber nun ist die Welt ja wieder in Ordnung.
Kopenhagener Kellerkinder
Das erste Mal Bekanntschaft mit dem 4 Play durfte ich beim Erfinder dieses Ausnahmeköders machen: Im Dezember 2008 war ich im Rahmen meines damaligen Jobs bei Rute & Rolle zu Gast bei Mads Grosell in Kopenhagen. Mit einem Leuchten in den Augen präsentierte er uns unter anderem die neuen 4 Play-Varianten und ebenfalls, mit welcher Akribie und Kreativität er sie erdacht hatte: Aus seiner Gefriertruhe im Keller zauberte er sorgfältig mit Stecknadeln auf Styropor fixierte, tiefgefrorene Rotaugen und Heringe. Die Maße dieser Beutefische hatte er in ein 3D-Programm übertragen und damit den Startschuss zum Design der 4 Play-Serie gegeben. Zusätzlich zur eins zu eins von der Natur abgeschauten Form sollte die Vierteilung für einen verführerischen Lauf sorgen. Das wollte uns Mads am Folgetag zeigen, was ihm mit Bravour gelang: Neben zahlreichen wirklich guten Exemplaren knallte auch ein kapitaler Hecht mit 116 Zentimetern Länge (Bild unten im Slider) auf seinen verführerisch langsam durch den See geschleppten 4 Play.
Fangwunder im Flachen
Klar, dass diese Demonstration ihre Wirkung bei mir nicht verfehlte! Recht fix fanden unterschiedliche Farb- und Größenvarianten speziell der Swim N Jerk-Version ihren Weg in meine Kunstköderboxen. Fortan hieß es nur noch: Flaches Revier oder Hechte stehen ufernah? 4 Play einklinken und (meistens) fangen! Ich kann mich an Tage auf dem seinerzeit genialen Hechtrevier Stege Nor auf der dänischen Insel Møn erinnern, als der 4 Play Swim N Jerk in dieser flachen Lagune alle anderen Kunstköder komplett in den Schatten stellte. Aber was macht diesen Köder eigentlich so fängig? Zumindest schicke Farben haben ja auch viele andere Kunstköder. Für mich ist es ganz klar der Lauf: Schon bei geringstem Tempo schlängelt der 4 Play verführerisch mit dem ganzen Körper. Zwar erinnert mich der s-förmige Lauf weniger an schwimmende Fische, sondern eher an das Bewegungsmuster einer durchs Wasser schlängelnden Ringelnatter, aber egal: Die Hechte triggert's gewaltig!
Für alle was dabei
Neben zehn unterschiedlichen Farb-Varianten ist der 4 Play Classic Swim N Jerk in drei unterschiedlichen Größen auf dem Markt erhältlich: In der 13 cm-Größe ist der Schlängler eher etwas unterdimensioniert zum Hechtfischen. Seine Stunde schlägt aber, wenn sich die Räuber mal auf recht kleine Nahrung eingeschossen haben. Der Klassiker schlechthin ist für mich die 19-Zentimeter-Version, vor der auch halbstarke Hechte nicht zurückschrecken. Deutlich selektiver ist natürlich die massige 25-Zentimeter-Variante, auch wenn es nicht jedermanns Sache ist, einen ganzen Tag den 107 Gramm schweren Happen Richtung Horizont zu schleudern. Aber es lohnt sich immer wieder − wie der schicke Meterfisch aus einem irischen See unten im Slider beweist. Und falls Dir nicht nach Werfen ist, Du aber trotzdem den sexy Lauf des 4 Play nutzen möchtest, dann schnapp Dir den Lowrider oder Liplure und schlepp die tollen Teile mit dem Boot durchs Hechtrevier. Dr. Catch-Kollege Tobias schwört seit Jahren auf diese vierteiligen Verführer: Die Bissspuren an seinem blauen Lowrider (siehe Slider) sprechen Bände!
Einfach Spinnfischen
Die Führungsweise ist denkbar einfach: Auswerfen, auf die gewünschte Tiefe absinken lassen und gleichmäßig langsam − ab und zu unterbrochen von Spin-Stops − wieder einholen. Wer mag, kann den Köder auch leicht twitchen. Mehr braucht es nicht! So gesehen ist der 4 Play definitiv auch eine prima Wahl für Einsteiger ins Spinnfischen auf Hecht. Zum Glück kann man sich nicht nur auf die Fängigkeit des Köders verlassen, sondern auch auf die Robustheit seiner Komponenten: Die Sprengringe und nadelscharfen SGY 1 X BN-Drillinge halten auch dem rabiatesten Hecht stand. Allein der Lack weist nach diversen Kontakten mit dem Hechtgebiss sichtbar Spuren auf, was aber der Fängigkeit des 4 Play keinen Abbruch tut. Ich habe übrigens den 4 Play Classic genaustens unter die Lupe genommen, um auch sicher zu sein, dass er der Ur-Version in nichts nachsteht − und kann Entwarnung geben: Bis auf kleinere, kosmetische Details wie die Augenform und winzige Anpassungen bei den angedeuteten Kiemendeckeln ist alles beim Alten geblieben − vom Gewicht bis zu den Laufeigenschaften! Nur eine meiner Lieblingsfarben − die braune Marmorierung namens "Burbot" − ist aus dem Programm geflogen. Aber irgendwas ist ja immer!
STÄRKEN
schlängelt herrlich schon bei geringem Tempo
verführerischer s-förmiger Lauf
bleibt bei Spin-Stops ausbalanciert in der Schwebe und sinkt nur langsam
stabile Wurfeigenschaften
für einen hochwertigen Hardbait vergleichsweise günstig
Schwächen
FAZIT
Was soll ich sagen? Nachdem ich mir seinerzeit nach Bekanntwerden des Auslaufens der alten 4 Play-Serie eine Reserve gesichert und auf die Seite gelegt hatte, schwindet meine Hemmung, diese Raritäten wieder in den Snap zu klinken − denn Nachschub ist ja da! Ich werde also weiter beim Hechtfischen im Flachen vertrauensvoll zum 4 Play Swim N Jerk greifen und kann wärmstens jedem Hecht-Fan empfehlen, diesen Schlängler mal im eigenen Revier auf Fangfahrt zu schicken.
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