Hüftgold
Die Überschrift mag auf wohlstandsbedingtes, im Übermaß vorhandenes Fettgewebe im Bereich der Körpermitte schließen lassen, doch weit gefehlt! Das Hüftgold, um das es hier geht, ist richtig praktisch und man wird es auch weitaus schneller wieder los: Gurtschließe auf und einfach ablegen – fertig! Gemeint ist natürlich eine Hüfttasche. Genauer: das Rock Bag von Fishus Lures. Warum die für mich Gold wert war, als ich im Mai diesen Jahres zu meinem ersten Wolfsbarschtrip aufbrach, erfährst Du im Folgenden.
Fishus Lures Rock Bag
| Marke: | Fishus Lures |
| Material: | vermutlich PVC-beschichtetes Polyester-Gewebe |
| Maße: | ca. 31x18x22 cm |
| Aufteilung: | Hauptfach + 2 aufgesetzte Fronttaschen |
| Ausstattung: | Hüftgurt, Schultergurt, Getränkehalter, Rutenhalter, Zangenhalter, diverse Ösen |
| Preis: | ca. 80 € |
| Info: | Fishus Lures |
Für Wege und Wasser
Weite Wege, klettern über Felsen, aktives Angeln mit häufigen Stellungswechseln, stundenlang im Wasser stehen... Als mir Holger vor unserem (und meinem ersten) Wolfsbarschtrip nach Irland beschrieb, was mich erwarten würde, war klar: Ich musste mir Gedanken ums Gepäck machen. Ich wollte eine ordentliche Köderauswahl, das nötige Zubehör und etwas zu Trinken immer am Mann haben und dabei mobil bleiben. Ein Rucksack? Naheliegend, aber blöd! Den muss man immer abnehmen, um an seine Sachen zu kommen – umständlich und vor allem schwierig, wenn man im Wasser steht. Eine Hüfttasche sollte es also werden. In einem französischen Onlineshop stieß ich auf das Rock Bag von Fishus Lures und griff zu, auch wenn das Teil mit fast 80 € nicht gerade in die Kategorie Schnäppchen fiel. Aber die Hüfttasche machte einen rundum durchdachten Eindruck und bot im Vergleich zu anderen mehr Platz und einige ausschlaggebende Gimmicks.
Platz da!
Basis der Tasche ist das geräumige Hauptfach. Es ist ausgestattet mit einem clever konstruierten Kunststoffeinsatz, der eine sichere Verwahrung verschiedener Kunstköder in separaten Fächern ermöglicht. Allerdings funktioniert das Teil nur mit relativ kleinen Ködern – optimal zum Beispiel für typische Meerforellenblinker, Spinner oder auch Barschwobbler. Doch der Einsatz lässt sich rausnehmen. Dann passen in das Hauptfach locker zwei mittelgroße Köderboxen. Eine weitere, etwas kleinere Box lässt sich in der größeren Fronttasche unterbringen – wenn man den auch dort installierten Einsatz entfernt. Platz ist also reichlich vorhanden, da muss kein Lieblingsköder einsam am Ufer zurückbleiben. Vorfachspulen, Hakenschärfer, eine kleine Box mit Karabinern und Wirbeln sowie weiteres Zubehör verstaue ich in der kleineren aufgesetzten Fronttasche.
Keine Last mit der Last
Das Rock Bag verfügt sowohl über einen Hüft- als auch Schultergurt – ist also irgendwie eine Mischung aus Bauchtasche und Sling Bag. Dank der doppelten Aufhängung verteilt sich die Last sehr gut und die Tasche lässt sich äußerst bequem über eine lange Zeit tragen. Beim Klettern und Marschieren verrutscht auch nix wie bei normalen Umhängetaschen, weil das Rock Bag zusätzlich durch den Gurt an der Hüfte fixiert und gestützt wird. Beim Fischen kann ich die Tasche problemlos zur Seite oder nach hinten Drehen, damit sie nicht stört. Ebenso schnell lässt sie sich wieder vor den Bauch drehen, um an den Inhalt zu gelangen. Letzteres ist übrigens auch sehr einfach, denn dank seitlicher Reißverschlüsse kann das Hauptfach wie ein Bauchladen aufgeklappt werden.
Halter für fast alles!
Noch mehr Praxiswert bekommt die Hüfttasche durch ihre zahlreichen Ösen und Haltevorrichtungen. Schere, Lösezange, Watkescher und anderes Zubehör lassen sich außen sicher befestigen. Als äußerst praktisch stellte sich bei sommerlichen Temperaturen in Irland der für 0,5-Liter-Flaschen passende Getränkehalter heraus. Schnell mal ein Schluck Wasser zwischendurch – kein Problem. Lieben lernte ich auch den Rutenhalter aus Hartkunststoff auf der gegenüberliegenden Seite. Ob beim Köderwechsel oder für ein schnelles Foto zwischendurch: Im Wasser stehend die Rute mal eben sicher abstellen zu können, ist auf jeden Fall ein riesiges Plus – und schützt die gute Rolle vor ungewollten Salzwasserbädern.
Die ist doch nicht ganz dicht!
Das Rock Bag wird aus beschichtetem, sehr robusten Material gefertigt, das an LKW-Plane erinnert. Die Reißverschlüsse sind mit Gummilippen ausgestattet. Anhand dieser Merkmale könnte man vermuten, dass die Tasche wasserdicht ist. Ist sie nicht! Mein Handy oder die Kamera würde ich Ihr beim Watfischen kaum anvertrauen. Das Hauptfach ist ohnehin nicht dicht, da es auf der Oberseite nur über zwei Laschen mit Klettverschluss verfügt. Doch auch die erwähnten Fronttaschen sind lediglich spritzwassergeschützt. Ein paar ordentliche Wellen vor den Bug – schon wird’s feucht! Ich finde das nicht weiter schlimm und hatte ehrlicherweise auch keine 100-prozentig dichte Tasche erwartet. Man sollte es aber wissen, bevor man gutgläubig besagtes Handy dem Meerwasser opfert.
STÄRKEN
viel Platz
sinnvolle Aufteilung
praktische Halterungen
hoher Tragekomfort dank doppeltem Gurt
für kleine Köder sinnvolle, herausnehmbare Hängesysteme
robustes Material
Schwächen
nicht vollständig wasserdicht
relativ teuer
FAZIT
In Sachen Praxisnutzen bekommt das Rock Bag von mir eine Eins mit Sternchen. Vom genialen Gurtsystem über die verschiedenen Halter bis zur Aufteilung wüsste ich nicht, was man da fürs Watfischen noch verbessern könnte. Schön wäre es natürlich, wenn die Tasche vollständig wasserdicht wäre, aber das ließe sich vermutlich kaum in diesem Preissegment realisieren. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass einer der seitlichen Reißverschlüsse des Hauptfachs nach der einwöchigen Irlandtour den Geist aufgegeben hat. Ansonsten ist mir in Sachen Verarbeitung nichts Negatives aufgefallen. Ich würde das Ding wieder kaufen und darauf hoffen, dass die Nummer mit dem Reißverschluss eine Ausnahme war! Übrigens finden sich im Internet einige Hüfttaschen, die der hier vorgestellten verdächtig ähnlich sind – aber deutlich weniger kosten. Hier lohnt es sich eventuell, mal auf den einschlägigen Seiten zu schauen...