Liebeserklärung an Linda
Fast 20 Jahre kennen wir uns nun schon, sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, haben verschiedenste Gewässer erkundet und großartige Fische gefangen. Zugegeben: Unsere Beziehung war nicht immer einfach. Ich habe Dich oft genug vernachlässigt, ließ Dich ohne schützende Persenning monatelang im Regen stehen, habe tatenlos zugeschaut, wie Dein hübscher Rumpf immer weiter von Muscheln besiedelt wurde, versäumte mehr als einmal, Dich aus dem Wasser zu holen, wenn Eisgang drohte. Übel genommen hast Du mir das nie, liebe Linda!
Linder Sportsman 400
| Marke: | Linder |
| Länge: | 401 cm |
| Breite: | 164 cm |
| Gewicht: | 125 kg |
| Rumpfmaterial: | Aluminium / 1,8 mm |
| Konstruktion: | streckgeformter Rumpf / unsinkbar / aufgleitendes Motorboot |
| Motorisierung: | max. 20 PS (15 kW) / Langschaft |
| Zuladung | max. 410 kg |
| CE-Kennzeichnung: | Kategorie D |
| Preis: | ab ca. 3800 € |
| Info: | Linder |
Aus Linder wird Linda
Ich war 2006 noch Redakteur beim Angelmagazin Rute & Rolle, als uns der schwedische Bootsbauer Linder ein Testboot auf den Hof stellte. Genauer: das Sportsman 400. Vor allem mein Kollege Arnulf und ich waren sofort Feuer und Flamme. Hatten wir doch gerade das Vertikalfischen auf Zander für uns entdeckt. Da kam das rund vier Meter lange, schön breite Alu-Boot auf seinem Trailer wie gerufen. Wir nutzten es exzessiv und rasch wurde aus dem Linder unsere Linda. Um die Geschichte etwas abzukürzen: Wir brachten es nicht übers Herz, Linda nach Ablauf der abgesprochenen Testzeit wieder abzugeben und konnten sie schließlich zu einem fairen Preis für uns privat kaufen.
Langzeitbeziehung
Viel Wasser ist seitdem die Elbe hinuntergeflossen: Mal gab es einen Liegeplatz für Linda, dann wieder stand sie auf dem Trailer an Land und wurde quer durch Norddeutschland und zweimal sogar bis nach Norwegen gekarrt. Mit Samthandschuhen fassten wir Linda dabei nicht an. Unser Leitspruch: „Das ist ein Arbeitsboot und kein Teppichbodenboot!” Hausschuhe an Bord? Fehlanzeige! Reinigung? Nur, wenn's gar nicht mehr anders ging! Dass dieses Boot heute noch so gut dasteht, spricht absolut für die Material- und Fertigungsqualität. In all den Jahren gab es keinen einzigen Schaden an dem Sportsman. Lediglich die geklebten Schaumstoffauflagen auf den Sitzbänken lösten sich nach 18 (!) Jahren teilweise und wurden ersetzt. Während befreundete Aluboot-Besitzer manchmal schon nach wenigen Jahren über undichte Stellen klagten, hatte wir nie Probleme. Das mag an der speziellen Fertigung bei Linder liegen: Der streckgeformte Rumpf kommt ohne Nieten und Schweißnähte aus. Die Hälften werden aus ganzen 1,8 Millimeter starken Aluminium-Platten geformt und dann mittels einer speziell abgedichteten Schraubverbindung auf ganzer Länge zusammengesetzt.
Linda wird schöner
Niemand ist perfekt – auch Linda nicht. Doch mit einigen Ergänzungen wurde sie zum idealen Angelboot für alle Lebenslagen. Zunächst ließen wir uns von meinem Schwiegervater, einem gelernten Schlosser, Einlegeböden aus Riffelblech bauen, denn ab Werk verfügt das Sportsman im Innenraum nur über wenige ebene Flächen, auf denen man beim Angeln gut stehen kann. Wer keinen geeigneten Schwiegervater zur Verfügung hat, kann bei Linder auch Böden als Zubehör kaufen, die dann allerdings lediglich in der Mitte für eine relativ schmale Ebene sorgen. Ebenfalls gegen Aufpreis erhältlich: Eine Bugplattform zur Nutzung eines E-Motors. Als wir Linda bekamen, gab es die noch nicht. Aber auch da konnte der Schwiegervater behilflich sein. Aufnahmen für Drehstühle montierten wir selber auf den drei Sitzbänken. So konnten wir beim Vertikalfischen endlich höher und bequemer sitzen. Ein paar Klampen, Ruten-, Köder- und Getränkehalter kamen noch dazu.
Auf dem Wasser
Für ein Boot dieser Länge ist das Sportsman breit geschnitten. Dadurch fällt der Innenraum ziemlich großzügig aus. Fast noch wichtiger: Die Linda liegt sehr stabil im Wasser und kippelt kaum, wenn man sich bewegt. Zu zweit im Stehen angeln oder sich mal weit über die Bordwand lehnen – gar kein Problem! Für Ordnung an Bord sorgen zwei geräumige, abschließbare Staufächer im Heck und in der Mittelbank. Das Heckfach nimmt auch einen separaten Tank auf und besitzt eine Durchführung für den Kraftstoffschlauch. Je nach Einsatzgebiet bewegen wir Linda entweder elektrisch, mit Verbrenner oder Muskelkraft. Richtig Spaß macht's mit dem führerscheinfreien 15-PS-Viertakter. Er sorgt problemlos für Gleitfahrt (auch mit zwei Personen und viel Gepäck) und beschleunigt das Boot auf rund 30 km/h Spitzengeschwindigkeit. Mit E-Motor geht’s natürlich weniger flott voran, aber trotzdem ausreichend. Da in Hamburg und Schleswig-Holstein auf vielen Gewässern gar kein Motor eingesetzt werden darf, wird Linda auch öfter mal gerudert. Dass die Rumpfform dafür eigentlich nicht gedacht ist, merkt man schon. So richtig geschmeidig lässt sich das Sportsman mit Muskelkraft nicht bewegen. Aber es geht durchaus. Als reines Ruderboot würde ich mir aber sicher kein Sportsman zulegen, sondern eher das schmaler geschnittene Fishing 410, ebenfalls von Linder.
STÄRKEN
robustes, korrosionsbeständiges Aluminium
langlebige, pflegeleichte Konstruktion ohne Nieten und Schweißnähte
sehr gute Fahreigenschaften mit Motor
flotte Gleitfahrt schon mit 15 PS
breiter Rumpf für viel Platz und hohe Kippstabilität
einfach zu trailern dank geringem Gewicht
vielseitig einsetzbar (E-Motor, Außenborder, Ruder)
geräumige, abschließbare Staukästen
Schwächen
ohne zusätzlichen Einlegeboden kaum ebene Standfläche im Innenraum
mühsam zu rudern
FAZIT
Als handliches, pflegeleichtes Motorboot für zwei Angler ist das Sportsman aus meiner Sicht einfach perfekt und deckt viele verschiedene Einsatzbereiche ab. Mit fast 4000 € liegt es preislich etwas über vielen anderen Aluminium-Booten dieser Größenklasse, aber dafür bietet Linder eben auch Premiumqualität „Made in Sweden” und eine besonders langlebige Konstruktion. Ich würde jederzeit wieder ein Sportsman 400 kaufen. Aber muss ich ja nicht. Stattdessen freue ich mich einfach auf die nächsten 20 Jahre mit Linda!
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