Die Herrin der Ringe
Wer Kunstköder montiert, kennt das lästige Ritual: Fingernagel zwischen die Windungen des Sprengringes, Ring aufbiegen, Haken einfädeln, dabei abrutschen, fluchen, neu anfangen. Du besitzt eine Sprengringzange? Dann tut's nicht so weh, aber das Abrutschen, weil der Sprengring unter Spannung über die runde Nase am Zangenende rutscht, ist weiter ständiger Begleiter. Zumindest bei mir war es so. Dann stieß ich letztes Jahr auf die "Split Ring Pliers" (Englisch für Sprengringzange) von Toit Fishing aus England: eine Zange mit Patentschutz und einem ungewöhnlichen, scheibenartigen Aufsatz an der Spitze, der die Wegrutsch-Probleme verhindern soll. Klingt nach einem dieser Versprechen, die sich am Wasser schnell in Luft auflösen? Dachte ich zuerst auch.
Toit Fishing Sprengringzange
| Marke: | Toit Fishing |
| Länge: | 16 cm (Größe: small) |
| Gewicht: | 132 g (Größe: small) |
| Farbe: | Blau Metallic |
| Preis: | ca. 27 - 40 € |
| Info: | Toit Fishing |
Spontankauf
Alle Jubeljahre durchstöbere ich den englischen Meeresangel-Onlineshop Veals Mail Order auf der Suche nach neuem Tackle, das es bisher nicht über den Ärmelkanal geschafft hat. Wegen der dank Brexit hohen Zollgebühren habe ich mir mittlerweile verkniffen, mal zwischendurch irgendwelche innovativen Brandungsangel-Weitwurfclips und ähnliches Zeug zu bestellen. Letzten Herbst allerdings war es soweit: Ein paar nur dort erhältliche Wolfsbarschköder und diverses Zubehör zum Vorfachbasteln wanderten in meinen Warenkorb. Dann sprang mir diese schick designte Sprengringzange ins Auge. Das Konzept klang vielversprechend! "Ach, was soll's", dachte ich, "muss sich ja lohnen!" und schob die kleinste Variante ebenfalls in den Warenkorb. Wenige Tage später lag die Toit Fishing Sprengringzange in meinen Händen.
Kegel statt Keil
Das Grundproblem herkömmlicher Sprengringzangen ist schnell erklärt: Ein dreieckiges oder rundes Nasenteil drückt die Windung des Ringes zwar auf, fixiert ihn aber nicht. Der Ring dreht sich, klappt weg, macht, was er will – und oft genug nicht das, was man möchte. Toit löst das Problem mit einem am Rand konisch geformten Scheibenaufsatz an der Zangenspitze. Der Ring wird nicht nur geöffnet, sondern in Position gehalten: kein Wackeln, kein seitliches Wegrutschen. Aber es geht noch mehr: Beim ersten Öffnen spreizt die Zange den Ring im Prinzip wie andere Sprengringzangen auch – genug für die meisten Haken und Karabiner. Reicht das nicht, lässt sich durch eine leichte Drehbewegung der Zange der Ring deutlich weiter öffnen und mühelos so halten, um auch dickere Hakenösen sauber ein- oder auszufädeln. Klingt fummelig, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich intuitiv.
Material vom Feinsten
Die Zange ist vollständig aus bestem Edelstahl 410 J1 gefertigt und kommt ohne jeglichen Kunststoff aus. Das gute Stück liegt mit seinen 132 Gramm auch verdammt satt in der Hand und macht schon vorm ersten Einsatz einen sehr hochwertigen Eindruck. Eine integrierte Feder lässt die Zange sich von alleine wieder öffnen und sorgt für entspannte Bastelarbeit. Die PVD TiAlN-Beschichtung (musste auch erstmal GOOGELN, was das genau ist) schützt vor Korrosion und gibt der Oberfläche ihre edle, leicht bläuliche Tönung. Ob die Toit Sprengringzange auf Dauer auch Salzwasser verträgt, kann ich noch nicht abschließend beurteilen, da ich sie erst einmal am Meer im Einsatz hatte. Da aber die beiden größeren Modelle speziell bei Big Game-Anglern hoch im Kurs stehen, können wir wohl davon ausgehen.
Breiter Einsatzbereich
Toit bietet drei Größen seiner Sprengringzange an: Small, Medium und Large. Für meine Haupteinsatzbereiche – das Spinnfischen an der Küste auf Meerforelle und Wolfsbarsch sowie gelegentliche Hecht- und Zandertripps – ist die kleinste Variante top! Sprengringe ab einem Innendurchmesser von 4 mm lassen sich damit bequem öffnen. Nach unten hin ist dann aber Schluss, da sonst die Zangenbacke nicht mehr durch den Ring passt. Nach oben liegt bei mir die Grenze bei rund 10 mm Innendurchmesser des Sprengrings (an vielen größeren Hechtködern wie Jerkbaits verbaut). Für größere Kunstköder wäre dann sicher der Griff zum Medium-Modell ratsam, da durch den größeren Scheibenaufsatz einfach ein besserer Hebel wirkt und der Ring weiter geöffnet werden kann.
Beschaffungshürden
Wenn man nicht unbedingt hohe Zollgebühren bei einem Kauf in einem englischen Onlineshop zahlen will oder zufällig einen Besuch in einem Angelshop in England geplant hat, muss man etwas suchen, um an dieses feine Werkzeug zu kommen. Bis vor kurzem hatte noch ein deutscher Onlineshop (https://www.lake-day.de) die drei Modelle vorrätig (aktuell aber nur noch die Large-Version - Stand 4/2026). Mein Tipp: Einfach mal bei eBay schauen. Habe dort auch schon Händler gesehen, die diese blauen Tools vertreiben.
STÄRKEN
öffnet und hält (!) Sprengringe besser als herkömmliche Zangen
hochwertig verarbeitet
PVD-Beschichtung für optimalen Korrosionsschutz auch im Salzwasser
zweistufige Öffnungsfunktion – ideal auch für dickdrähtige Ösen
interne Feder für entspanntes Hantieren
Schwächen
nicht gerade günstig
kein Seitenschneider – wer eine Kombi-Zange sucht, die auch Schnüre trennt, muss weiter schauen
kein Modell für kleinere Barsch- oder Forellenköder erhältlich
FAZIT
Die Toit Split Ring Pliers sind keine Revolution, aber eine konsequente Weiterentwicklung eines sehr nützlichen Werkzeugs. Wenn Du Gelegenheits-Spinnfischer bist, dann kannst Du die nötige Kaufsumme sicher besser in ein paar Köder investieren. Wer aber regelmäßig neue Haken montiert oder wechselt, wird den Mehrpreis gegenüber einer Standardzange nach wenigen Angelausflügen oder heimischen Bastel-Sessions vergessen haben.
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